Tierwandler, Roboter, Wölfe, ein Mädchen vermisst seine Oma, eine Zeitmaschine geht verloren … Die Jugend-Kiezrallye Schöneberg 25 verbindet Elemente aus Outdoor-Escape-Game und Schauspiel. Vor allem aber speist sie sich aus der Fantasie und Kreativität ihrer Teilnehmer*innen. Im partizipativen Prozess entstehen Story, Figuren, Kulissen und die Aufgaben, die das Publikum auf dem begehbaren Theaterstück lösen soll. Welche Held*innen-Figuren sind besonders beliebt? Welche Spielmechaniken interessant? Welche Geschichten und Handlungen bewegen und was haben diese mit der Lebensrealität junger Menschen zu tun? Das Material zu der Geschichte, in der die Teilnehmenden später auftreten, wird mit Hilfe spiel- und theaterpädagogischer Methoden gewonnen und durchläuft dann einen Storytelling-Prozess – somit basiert alles, selbst in einer Fantasy-Geschichte, auf biografischem Material.
„Verschieden sein, das ist normal“ Für Kinder wohl noch mal mehr selbstverständlich, beschreibt der Satz auch für uns Pädagog*innen die gemeinsame Erfahrung im Gruppenprozess.
Über 20 engagierte Teilnehmer*innen im Alter von 10 bis 13 Jahren kommen in dem schulübergreifenden, freiwilligen Nachmittagsprojekt zusammen – davon einige aus einer inklusiven Schwerpunktschule mit Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ und „körperlich-motorische Entwicklung“. In den Klassen der Grundschule am Barbarossaplatz in Berlin Schöneberg konnten wir das Projekt mit dem Schnupperangebot bewerben und somit auch die inklusiven Schüler*innen ansprechen und einige davon für die Teilnahme gewinnen.
Am Anfang bedurfte es eines erhöhten Kommunikationsaufwandes mit Eltern und Erzieher*innen bis das Zusammenkommen am Veranstaltungsort organisiert war. Einverständniserklärungen für die Wegstrecke zum Veranstaltungsort einholen, Weggruppen bilden, Absprachen treffen. Leider konnten nicht alle Interessent*innen zu uns stoßen, da in der relativ kurzen Vorlaufzeit zwischen Schnupperangebot und Projektstart nicht ausreichend engmaschige Betreuung organisiert werden konnte. Für die meisten jedoch funktionierte es. Besondere Vorbereitungen waren dann auch nicht mehr nötig. Jedoch hatten wir anfangs höheres Augenmerk auf die betreffenden Schüler*innen und ihre Bedürfnisse. Einer Person konnten wir nicht gerecht werden. Sie verließ uns wieder. Für den Gesamtprozess ist festzuhalten, dass Struktur und Organisation einen hohen Initialaufwand erforderten, damit die Projekttermine reibungslos ablaufen konnten.
Wie gehen wir als Anleiter*innen mit Verschiedensein in den Projektterminen um? Indem wir keine große Sache draus machen und Mensch – ob inklusiv oder nicht – als Unikat mit besonderem Potential, eigenen Leidenschaften und Motivationen annehmen. So zeigt sich in unserem Projekt, dass z.B. körperlich-motorische Beeinträchtigungen kein Hinderungsgrund für eine Roboter-Choreografie und die Freude an Bewegung sind. Auch Lese- und Rechtschreibstörungen, als zweites Beispiel, geraten letztlich im Probenprozess in den Hintergrund, wenn der Text gelernt ist und die Figur ihren Auftritt hat. Spielen im sozialen Kontext und kreativ wie beteiligt sein sind wohl die maßgeblichen Motivatoren für die Teilnehmenden. Zudem macht es für uns künstlerisch arbeitende Pädagog*innen – selbst eher Freigeister – einen Unterschied, ob gelernt werden muss, oder ob dies freiwillig und selbstmotiviert geschehen kann. Alle Beiträge wertzuschätzen und ein annehmendes und diskriminierungsfreies Klima zu bereiten, ist daher eine der Hauptaufgaben im Prozess, in dem in der Jugend-Kiezrallye Schöneberg 25 soziales wie künstlerisch-ästhetisches Lernen stattfindet. Die wichtige Aufgabe für die Zukunft ist vielmehr, wie inklusiven Teilnehmer*innen Zugänge ermöglicht und Barrieren abgebaut werden können. Denn das Weitere ergibt sich im Miteinander fast wie von alleine.
Sollten wir das Format im nächsten Jahr erneut im gleichen Kontext anbieten, haben wir aus dem aktuellen Projekt gelernt, dass vor allem die Strukturen mehr Zeit benötigen, größere Beteiligung von Menschen mit Beeinträchtigung zu ermöglichen.
Ein Erfahrungsbericht von Steffen Sklebitz
Das Projekt wird im Rahmen von Kultur macht stark von Spielmobile e.V. mit dem Programm „Spielen macht stark! – Erforschen, Gestalten und Aneignen“ gefördert. Bündnispartner sind die LAG Spiel & Theater Berlin e.V., das Malteser Schulprojekt St. Franziskus und die JFE Die Weisse Rose. Weiterer Partner: PFH Ganztag der Grundschule am Barbarossaplatz.